Projektwoche 1.0

"Moment mal, Papier?"

10. April 20185 Minuten

Vor einiger Zeit war es so weit: Die erste Projektwoche für mich als Azubi bei VOLL stand an. #wuhu
Was mich in den kommenden zwei Wochen an der Schule erwarten würde? Ich wusste es nicht wirklich. Die Infos aus Erzählungen waren bunt gemischt – also dachte ich mir: einfach mal überraschen lassen! Ich machte die nächsten zwei Wochen als kleines Abenteuer für mich aus und freute mich auf das “Papierprojekt”. Moment mal, Papier? Ob mir das in der Ausbildung in einer Digitalagentur helfen wird? Eher fragwürdig. Die Vorstellung, dass ich in den zwei Wochen intensiv was lernen würde, wovon ich im Anschluss profitieren würde, verpuffte in dem Moment bildlich vor meinen Augen: Papierherstellung- und Eigenschaften, Falz- und Bindearten, Weiterverarbeitung und zu guter Letzt Druckveredelungen? Was ich zunächst als langweilig abstempelte, stellte sich in der Umsetzung selbst jedoch als viel interessanter heraus... Aufgabe war es, innerhalb von zwei Wochen einen eigenen Messestand inklusive drei Experimenten und einer Broschüre, die das Thema zusammenfasst, zu erstellen. Unsere Mitschüler sollten sich dann anhand dieser Materialien weiterbilden können, indem sie die nötigen Informationen herausarbeiten und vertiefen. Im Anschluss wurden die erstellen Messestände dann für Ausbilder und Unternehmen ausgestellt. Bewertungskriterien: Auftritt, Kompetenz und Konzept!

Tatsächlich vergingen die zwei Wochen des Projektes wie im Flug: nachdem die erste Woche hauptsächlich für Recherche, Konzepterstellung und Ideenfindung draufging, brachte uns die zweite Woche ganz schön ins Schwitzen! Der Messestand und die Experimente hatten es in sich und waren tatsächlich schwieriger zu realisieren als erwartet: was sonst mit riesigen Maschinen gefertigt wird, sollten wir ohne großen Aufwand für unsere Mitschüler zur eigenen Umsetzung erstellen. Unsere Taktik: entweder auf das verfügbare Material der Schule zurückgreifen oder ein paar günstige Sachen besorgen und ja, kreativ werden! Also steuerten wir unser erstes Ziel an: den Baumarkt! Auch wenn wir wussten, dass unsere handwerklichen Fähigkeiten definitiv beschränkt waren, glaubten wir fest daran, dass wir im Stande waren, unser geplantes Konstrukt zu bauen. Musste ja schließlich kein Meisterwerk werden und eine DIY-Anleitung hatten wir auch. Als nächstes fuhren wir zu verschiedenen Kreativmärkten um uns Inspirationen für unsere Experimente zu holen und gegebenenfalls einige Materialien zu besorgen.

Am Ende des Tages stand das Grundgerüst unseres Messestandes und unseres Konzeptes. Eine echte Hilfe waren die vielen Ausbildungsgänge an unserer Schule. Farbe konnten wir uns bei den Lackierern holen und das Holz konnten wir bei den Schreinern/Tischlern zuschneiden. Damit hatten wir einiges an Material und Zeit gespart. Das Ergebnis war…nun ja…sagen wir es mal so: Schief ist englisch und englisch ist modern. Die Ecken waren trotz Winkel alles andere als rechtwinklig. Die Schrauben waren zu lang und guckten auf der anderen Seite des Holzes heraus. Einmal aufgestellt durfte man den Stand nicht zu stark anstoßen, sonst drohte er umzukippen. Eigentlich Verletzungsgefahr pur. Unser Stolz, was wir in der kurzen Zeit aufgestellt hatten, schaute über diese „kleinen“ Makel hinweg. Für uns war es handwerkliche Meisterleistung, der Gesamteindruck zählte! Am Tag der Ausstellung hatten wir zwei Stunden Zeit alles aufzubauen und final zu arrangieren. Eine kurze Einleitung unsererseits sollte den Einstieg erleichtern und stellte ein weiteres Bewertungskriterium dar. Danach galt es jeden Besucher am Messestand zu begleiten, die Experimente zu erklären und vereinzelt Fragen zu beantworten. Insgesamt eine echt stressige Angelegenheit, wenn alles in das knappe Zeitfenster passen und nichts vernachlässigt werden soll. Anschließend mussten wir in der Theorie unseren Stand abbauen. Praktisch heißt das, dass die ganze Arbeit von zwei Wochen weggeschmissen oder zerstört wird. Traurig, aber irgendwie hatte es auch etwas von einem Abschlussritual, nachdem wir uns zwei Wochen am Stück mit dem gleichen Thema rumgeschlagen hatten.

Was ich für mich aus der ersten Projektwoche mitnehme? Man trägt jede Menge Eigenverantwortung um auch seinen Mitschülern das erarbeitete Lehrmaterial gut vermitteln zu können. Gleichzeitig ist man verantwortlich für alle Organisationsprozesse, die Ressourceneinteilung und die Qualität des Resultats. Was zählt sind also ganz klar die Soft Skills! Auch wenn die Motivation und der Spaß manchmal fehlten, hatte ich mit einem Lernerfolg in dieser Art nicht gerechnet. Ich hatte meinen Blick zunächst nur auf das Erlernen des Themas „Papier“ versteift und das ganze Drumherum vergessen. Die Organisation, Planung eines Teams und das selbstständige Arbeiten an dem Projekt ist doch tatsächlich viel wichtiger als alle Veredelungen von A-Z auswendig zu kennen.