VOLL abgedüst!

Bye bye Hattingen, hello Leeds!

Als vor knapp drei Monaten in meiner Berufsschule nach Interessenten für ein Auslandspraktikum in England gefragt wurde, meldete ich mich unverbindlich ohne zu wissen, was eigentlich auf mich zukommen sollte. Die einzigen Informationen die ich zu dem derzeitigen Zeitpunkt vermittelt bekommen hatte, waren sehr überschaulich und beschränkten sich eigentlich darauf, dass es im zweiten Lehrjahr nach Leeds gehen sollte. Startpunkt? Zeitraum? Ablauf? Keine Ahnung. Naja, die Option kann man sich ja mal offen halten, ob es dann wirklich dazu kommen wird, würde mann dann sehen. Mit diesen Gedanken rutschte die Sache dann mehr und mehr in den Hintergrund bis ich sie dann völlig vergaß. Dass ich in knapp einem Monat am Düsseldorfer Flughafen stehen würde, damit hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht gerechnet.

Knapp 3 Wochen vor dem Austausch

„Das müsstet ihr dann bitte unterschreiben, damit ihr auch bald los könnt“. Bald? Nicht in einem Jahr? Ne, Fehlanzeige! Dadurch, dass so viele aus der Mittelstufe abgesprungen sind sollte ich bereits dieses Jahr mitfahren. Und dann auch noch für 3 Wochen! Zwar alles ein bisschen kurzfristig, Bock auf ein bisschen Abenteuer hatte ich trotzdem! Also ging es in weniger als in einem Monat los!

Und Abflug!

VOLLgepackt mit meinem ganzen Krams für drei Wochen ging es dann zum Flughafen. Die Aufregung war natürlich groß - Mein erster langer Auslandsaufenthalt, ein Land in dem ich zuvor noch nie war und dazu kam noch, dass ich seit 10 Jahren nicht mehr geflogen bin! Die kleine Propellermaschine, die uns heile ans Ziel bringen sollte half nicht wirklich meine leichte Flugangst zu überwinden. Stabil und vertrauenswürdig sah irgendwie anders aus. Nach einer seeeeehr langen Stunde hieß es dann endlich „Welcome in Leeds!“. #wuhu

Let the story begin

Einmal angekommen ging alles unglaublich schnell. Das Einleben in der supernetten englischen Gastfamilie, der Gewöhnungsprozess nur noch Englisch zu sprechen und die manchmal komischen Höflichkeitsformen (Ich meine, wer bedankt sich vor dem Aussteigen beim Busfahrer und fragt die Kassiererin wie es ihr geht?!) - alles kein Problem. Leeds ist eine wunderschöne, momentan stark wachsende Stadt, die wirklich sehr viel zu bieten hat. Auch ein Ausflug zum nahegelegenen York und in den ländlichen Teil Yorkshires durfte nicht fehlen! Nach drei Wochen kann ich wirklich nur sagen - Yorkshire, you got me! Neben der ganzen Freizeit darf man die Arbeit natürlich nicht vergessen! Zweieinhalb Wochen arbeitete ich in einer der größten Printfirmen Englands, der „Lettershop Group“, welche personalisierte Druckerzeugnisse in Millionenzahlen produziert. #vollanalog Durch die netten Mitarbeiter und der angenehmen Arbeitsatmosphäre hatte ich mich schnell eingelebt und das Arbeiten an eigenen kleinen Projekten und das Begleiten eines Kundenprojektes vom Konzept bis zur Produktion brachte Spaß und sehr viel Erfahrung mit sich.

Was ich für mich mitgenommen habe

Hierunter fallen verständlicherweise die Standardklauseln, die man immer hört: Natürlich habe ich meine Sprachkenntnisse verbessert, die englische Kultur besser kennengelernt und meine interkulturellen Kompetenzen ausgebaut. Und ja, die Engländer trinken sehr viel Tee, bilden die perfekten Reihen beim Anstellen und das Essen ist nicht immer das Gelbe vom Ei. Wirklich wichtig ist aber, dass das Überschreiten meiner Grenzen mir die Möglichkeit bat, mein Netzwerk auszubauen und Kontakte zu knüpfen, die mich offener und selbstständiger haben werden lassen und sich vielleicht nochmal als nützlich in meiner zukünftigen Berufslaufbahn erweisen. Was mir zusätzlich einen eindeutigen Vorteil verschaffte, war das Arbeiten in einer Printfirma. Als Azubi in einer Agentur die sich vollständig auf Digitalisierungsprozesse spezialisiert hat, fällt es einem das ein oder andere Mal schwer, durch den ganzen theoretischen Printkrams in der Schule durchzublicken. Die Gelegenheit in der „Lettershop Group“ zu arbeiten, hat mir nicht nur beim Anlegen von Printprodukten die Augen geöffnet, sondern auch einen Einblick in die Produktion selbst gewährt. Bereits nach einer Woche Arbeit in der Firma konnte ich für mich ausmachen, dass sich die Teilnahme am Austauschprogramm trotz der Kurzfristigkeit gelohnt hat. Die Arbeit des Mediengestalters im Print-Bereich hätte ich sonst wohl nicht so schnell kennengelernt. Und wie hätte das besser funktionieren können als mit einem kleinen Abenteuer verbunden? Wohl gar nicht!